Bekommen Flüchtlinge kostenlos ein iPhone 6?

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Foto © John Karakatsanis (Flickr)

Pressebericht zum Dekanatsinfoabend zum Thema "Asyl und Flüchtlinge" am 10. März 2016 im evangelischen Gemeindehaus Bad Neustadt 

Dekan Dr. Matthias Büttner hatte zum Dekanatsabend mit Informationen rund um das Thema Asyl eingeladen. Bei den ca. 60 Besuchern war der Informationsbedarf hoch. Helmtrud Hartmann, Leiterin der sozialen Dienste des Diakonischen Werkes Bad Neustadt und Susanne Latta, Asylsozialberaterin im Landkreis Rhön-Grabfeld  informierten  über Fluchtgründe und –routen, über Voraussetzungen zur Beantragung von Asyl und über den Ablauf des  Asylverfahrens. Das Mitarbeitenden-Team der Asylsozialberatung im Landkreis wurde ebenso vorgestellt, wie die Mitarbeiterin Elke Müller vom der Beratungsstelle der Kirchlichen Allgemeinen Sozialarbeit. Frau Müller ist das Bindeglied zwischen Asyl- und Sozialarbeit, wenn es darum geht Tafelscheine auszustellen oder Fragen zur Kleiderkammer oder Energieberatung zu beantworten. Vorgestellt wurde auch das neue Programmheft „Asyl & Ehrenamt“, das eine Fülle von Informationen und Fortbildungsveranstaltungen für ehrenamtlich  Mitarbeitende bietet und sich an deren Bedürfnissen orientiert.

Helmtrud Hartmann ging gleich zur Beginn des Dekanatsabends auf das Thema „Bekommen Asylbewerber ein I-Phone 6 geschenkt?“ ein. Sie zeigte das Worldpress-Gewinnerfoto 2014, darauf sind afrikanische Flüchtlinge am nächtlichen Strand von Djibuti zu sehen. Die Männer stehen an der Küste und recken ihre Mobiltelefone in die Höhe, um Empfang zu bekommen und ihre Veranden kontaktieren zu können. “Natürlich haben Asylbewerber ein Handy – genau wie Sie und ich. Ohne ein Handy ist wahrscheinlich eine Flucht über diese Distanzen nicht zu organisieren“, so Hartmann. Flüchtlinge halten auch während der Flucht über ihre Handys Kontakt zu ihren Verwandten, speichern Erinnerungen, evtl. auch Dokumente darauf und können während der Flucht aktuelle Informationen abrufen. „Die Versorgung mit Handys gehört nicht zu Leistungen, die Asylbewerber in Deutschland erhalten.“

Daraus ergab sich eine Diskussion über Leistungen, die Asylbewerber während ihres Aufenthaltes in Deutschland erhalten. Das Informationsbedürfnis war sehr hoch, auch bei Fragen rund um die Gesundheitsfürsorge. Den Fragen der interessierten Zuhörerinnen und Zuhörern stellten sich Jürgen Marschall, Leiter des   Amtes für Soziale Angelegenheiten und somit auch zuständige Behörde für Asylsuchende im Landkreis und Uwe Kraus, Leitung Asylsozialberatung der Diakonie Schweinfurt. „Selbstverständlich“, so Marschall, „werden Asylbewerben nicht besser gestellt als die Menschen, die bei uns von Hartz 4 leben. Die Leistungen für Asylsuchende orientieren sich an genau diesen Sätzen.“ Aus dem Kreis der Zuhörer wurde angeregt, Informationen darüber leicht verständlich auf Homepage von Landratsamt und/oder und Diakonie zu veröffentlichen.

Susanne Latta stellte die Aufgaben der Asylsozialberatung vor, die sich von Unterstützung bei der Alltagsorientierung in den Unterkünften und in der Umgebung, Aufklärung über Asylverfahren und den sich daraus ergebenden Rechten und Pflichten über Organisation von medizinischer Hilfe und  Zusammenarbeit mit Ärzten und Einrichtungen der Krankenhilfe bis zur Zusammenarbeit mit ehrenamtlich Mitarbeitenden erstreckt. „Bei all dem ist die Asylsozialberatung sehr auf die Hilfe von Helferkreisen und Ehrenamtlichen angewiesen“ so Susanne Latta „ohne Ihre Unterstützung wäre vieles nicht leistbar!“

Wie wichtig ehrenamtliches Engagement in der Asylarbeit ist, unterstreicht Susanne Latta mit dem Hinweis auf die neue Fortbildungsreihe der Diakonie für Ehrenamtliche. Ehrenamt & Asyl heißt das Programmheft und erscheint halbjährlich mit Fortbildungsangeboten, die sich an den Bedürfnissen Ehrenamtlicher orientieren. „Wir wollen Ihr Engagement würdigen und gleichzeitig Sorge tragen, Ihnen die Informationen zu bieten, die Ihnen für Ihre Einsätze hilfreich sind.“ Dazu gehört das Angebot der Ausbildung zum Behörden- und Alltagsbegleiter in Mellrichstadt und Bad Königshofen. Behördenbegleiter arbeiten eng mit Hauptamtlichen der Diakonie zusammen und helfen bei alltäglichen Fragen, beim Ausfüllen von Formularen oder beim Formulieren von Briefen. Hier besteht auch die Möglichkeit, Sprechstunden in den Büros der Asylsozialberatung anzubieten.

Da Koordinatoren und Multiplikatoren an eine Schlüsselstelle einnehmen, müssen diese ob der vielen Fragen, die an sie herangetragen werden, gut informiert werden. Wichtig ist der Erfahrungsaustausch um einen Überblick im Landkreis Rhön-Grabfeld zu erhalten. Individuelle Organisationsweisen sind eine Bereicherung für die regionale Arbeit vor Ort.

Auf die Veranstaltungen Erfahrungsaustausch für Sprachlehrkräfte und Erfahrungsaustausch für Fachkräfte aus Kindertagesstätten wurde ebenso verwiesen, wie auf die Veranstaltung „Argumentationstraining gegen Stammtischparolen“ am 18. Juni. Wenn Sie schon immer einmal wissen wollten, wie Sie angemessen auf dumpfe Sprüche auf Familienfesten, an der Supermarktkasse oder im Kreis der Arbeitskollegen reagieren können, erhalten Sie hier die Möglichkeit, sich intensiv mit Stammtischparolen auseinanderzusetzen und Argumente und Verhaltensweisen einzuüben, so dass ein beklemmendes Schweigen und das Ohnmachtsgefühl, keine entsprechende Antwort zur Verfügung zu haben, überwunden werden kann.

Und wer sich für die Kultur des Miteinander in einem arabischen Land interessiert, kann sich am 9. Juni über das Alltagsleben in Syrien und Afghanistan informieren, Asylsuchende erzählen aus ihren Heimatländern.

„Mehr dazu finden sie im Frühjahrsheft Ehrenamt & Asyl der Diakonie“, so Dekan Dr. Matthias Büttner. Er verabschiedete sich mit einem großen Dank an das Engagement derer, die zur Integration der Asylsuchenden beitragen. „Wenn Sie mehr Informationen zu den Fortbildungsangeboten haben möchten oder sich anmelden wollen, können Sie dies gerne unter Telefon: 09771 63097-12 tun oder eine E-Mail an: asyl-lkr-nes@diakonie-schweinfurt.de senden.“