Aufgeschlossen - Nähe

Während meine ‚Dienstzeit’ in Bad Neustadt zu Ende geht, denke ich zurück an die Worte der Jahreslosung - „Gott nahe zu sein ist mein Glück“. Es fiel mir nicht immer so leicht wie ich dachte, diese Worte anzunehmen, die mir doch seit meiner Konfirmation vertraut waren.Gott nahe sein? Ja, das wurde mir manchmal fremd. Meinte ich doch sogar, ich könnte das nicht, wenn ich Augenblicke mit Schwerem, Unangenehmem erlebte. Aber: Wäre es nicht unvollständig, diese Nähe nur mit Hellem zu verknüpfen? In einer Finsternis die Nähe Gottes zu erleben, ist intensiver als es an herrlichen, positiven Tagen mit viel Weitsicht erscheint. Ja, Gott nahe zu sein ist mein Glück!
Was sagen mir diese Worte? Sie sagen in dieser letzten Ferienwoche wie in jeder anderen: Wage es über deinen Schmerz hinauszuschauen! Wage es, aber bitte nicht etwa blindlings, nur aus anerzogenem Vertrauen heraus! Es lohnt sich, die dunkle Wolke, die über einem Lebensabschnitt hängt, nicht zu fixieren. Es gibt mehr.
Mir fallen dazu diese Zeilen ein:
nähe tut gut
dunkel richtet nicht
liebe reicht weit
in sicht ist licht

Das Eigenschaftswort „sein/e“ lässt sich in jeder Zeile einfügen. Wie wirkt jeder Satzteil dann? Wie viel Mut machende Energie strahlt dann darin auf!?

Und nun die Frage an mich: Ist es denn mein Wunsch, Gott nahe zu sein? Was könnte mich abhalten? Was würde es mir leichter machen, seine Nähe zuzulassen? Könnte mich seine Nähe belasten? Woran liegt das - an mir oder an ihm? Ein Glück für mich, dass er da ist. Trotz allem umgibt er mich von allen Seiten (Psalm 139).

Gottes heilende und wärmende Nähe wünsche ich Ihnen

Ihr Udo Molinari, Pfarrer in Bad Neustadt