Aufgeschlossen - Schwäche und Stärke

Norma Jeane Mortenson, besser bekannt als Marilyn Monroe, war 1954 in zweiter Ehe verheiratet mit dem Baseballstar Joe DiMaggio. Die Ehe währte nicht lange. Sie ging unter zwischen Eifersucht und Affären. Schon zwei Jahre später heiratete sie erneut, doch auch dieser Ehe war kein Glück beschieden. Das Leben der ersten Berufsblondine der Welt blieb eine Tragödie. Aber Joe DiMaggio, der zweite Ehemann, bewahrte sich seine Liebe für Marilyn. Als diese im Jahr 1962 mit nur 36 Jahren unter bis heute ungeklärten Umständen zu Tode kam, war er es, der sich um die Beerdigung kümmerte. Er ließ auch in den folgenden 20 Jahren drei Mal pro Woche 20 rote Rosen an ihr Grab legen. DiMaggio sprach und schrieb nie öffentlich über seine Ehe mit Marilyn. Er heiratete nie wieder. Und seine letzten Worte waren: Ich werde endlich Marilyn sehen. Ist eine solche Schwäche für jemanden zu haben, nicht eine große Stärke? Unsere Schwächen sind immer irgendwie auch unsere Stärken. Und umgekehrt unsere Stärken auch unsere Schwächen. Den Apostel Paulus plagte auch so manche Schwäche, die ihm dann von Leuten, die ihn nicht mochten, genüsslich unter die Nase gerieben wurden. Aber dann bekommt Paulus diesen Satz von Gott gesagt: Lass dir an meiner Gnade genügen; denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig. Wie kann eine Schwäche zur Stärke werden? Paulus kam zu dem Schluss, dass ihn seine Schwäche (wahrscheinlich ein für andere sichtbares Leiden) vor Überheblichkeit schützen würde. Ein bemerkenswerter Gedanke. Andererseits kennen wir es auch, dass eine offen gezeigte Schwäche anderen gegenüber entwaffnend wirken kann. Jetzt bricht die letzte Woche der Passions- bzw. Fastenzeit an. Die Karwoche ist nicht mehr weit. Vielleicht nehmen wir uns angesichts von Jesu am Kreuz gezeigter Schwäche einmal auch unsere eigene Schwachheit vor. Und spüren dem großen Geheimnis nach, dass Gottes Kraft in den Schwachen mächtig ist.

Dekan Dr. Matthias Büttner, Bad Neustadt