Aufgeschlossen - Ziel erreicht?

„Sie haben ihr Ziel erreicht“, sagt mein Navigationsgerät, aber ich steh immer noch mitten in der Pampa. „Blödes Ding, was weißt du denn schon?“, denke ich und schaue abwechselnd aus dem Auto und das Gerät böse an. Technischer Defekt oder menschliches Versagen? Jedenfalls bin ich noch nicht da, wo ich hin will. Gerade, als ich mich richtig über diese offensichtliche Fehleinschätzung meines technischen Begleiters aufregen will, lasse ich mir die Worte noch einmal durch den Kopf gehen: „Sie haben ihr Ziel erreicht.“ Klingt ja fast wie eine Verheißung. Nein, beim großen roten Elektrofachgeschäft, das ich eigentlich gesucht habe, bin ich nicht angekommen – aber wer weiß, vielleicht ist das ja auch gar nicht das richtige Ziel. Vielleicht weiß mein Navi ja mehr als ich. Also beschließe ich, meine Suche zu unterbrechen und mich vom geplanten Weg abbringen zu lassen. Mit der Funktion „Points of Interest“ versuche ich herauszufinden, wohin mich dieser neue Weg führen könnte. Ohne zu zögern macht mir das Gerät in der Rubrik „Alltägliches“ einen Vorschlag: „Andachtsorte“. Sieben Markierungen auf dem kleinen Bildschirm weisen auf Orte der Einkehr und der Stille in unmittelbarer Nähe zu meinem Standort hin. Der rote Elektrofachmarkt ist nicht dabei, dafür eine katholische Wallfahrtskirche, eine Autobahnkirche, eine Synagoge und auch eine Moschee. Einen nach dem anderen suche ich auf, atme etwas ein von der Stille heiliger Orte, komme mit Menschen ins Gespräch, die, wie ich, vom Wege abgekommen und so endlich angekommen sind, nämlich da, wo sie eigentlich hin wollten. Wir sind Entdecker.

Gott spricht: Wenn ihr mich von ganzem Herzen suchen werdet, so will ich mich von euch finden lassen. (Jer. 29,13f)

Den Elektrofachmarkt habe ich übrigens nicht mehr gefunden. Warum auch? Ich bin doch nicht blöd. Ich bin da, wo ich hin will. Ich habe – zumindest bei dieser Fahrt – mein Ziel erreicht!

Lutz Mertten, evang. Pfarrer Bad Königshofen