Aufgeschlossen - Wes Geistes Kind?

Zeitungskundige haben vielleicht in letzter Zeit häufiger gelesen: „Der Team-Spirit stimmte“, „der Spirit des Konzertes war …“. Selbst die Kolumne „Unter dem Strich“ in dieser Zeitung hat sich mit dem Spirit, dem „Geist“, geistreich auseinander gesetzt. Vielleicht ist Ihnen auch schon die Formulierung begegnet: „Wes Geistes Kinder sind denn die!?“ - frei zitiert aus dem Lukasevangelium Kap. 9, Vers 55. Dort, wie auch umgangssprachlich, kommt es zum Tragen, wenn das Tun und Sagen einer Gruppe sonderbar und nicht mit der „Norm“ übereinstimmend erscheint.

Nun nähern wir uns ja in wenigen Tagen wieder dem Pfingstfest, dem Fest des Heiligen Geistes, der Geburtsstunde der christlichen Kirche, dem Fest, an dem die Jünger, getroffen von „Himmelsflämmchen“, herumgelallt haben und sich dennoch verstanden wie nie zuvor.

Um genau dieses besondere Gemeinschaftsgefühl zu bekommen, um ein gemeinsames Ziel erlangen zu können, braucht es, heute wie damals, einen besonderen, treibenden Geist. Diesen Geist konkret zu beschreiben fällt oftmals schwer. Er ist da, jede und jeder fühlt ihn und jeder weiß, er ist der Kitt, der Menschen zusammenhält und motiviert.

Der Heilige Geist verband die ersten Christen miteinander für das gemeinsame Ziel, nämlich die Frohe Botschaft von Gottes Reich weiter zu verbreiten, wie das eben so mit dem Spirit ist. Aber darüber hinaus hat der Heilige Geist der biblischen Erzählung viel mehr zu bieten: Er kommt direkt von Gott, ist göttliches Geschenk, ist Verbindung zwischen Himmel und Erde in Form von flammender Leidenschaft für Nächstenliebe und Gottes gesamter Schöpfung, ist Tröster, kreativer Genius und Geist der Wahrheit und Besonnenheit.

Alles, was uns göttlich, wundersam himmlisch umweht und umhüllt, was uns mutig werden lässt, übermenschliche Herausforderungen anzunehmen, was uns antreibt, Nächsten- und Feindesliebe zu leben, was uns Hoffnung und Ausblick darauf gibt, dass alles möglich ist, … - das und viel mehr passiert in und ist Geist Gottes, ist Heiliger Geist. In diesem Geist stehen wir als Gottes Kinder, verbunden mit Gott, verbunden mit all unseren menschlichen Geschwisterkindern. Diesen ansteckenden, feurigen „Holy Spirit“ sollen alle spüren und erkennen - Diese Fackel ist dann wirklich strahlendes und verbindendes Licht in jeglicher Dunkelheit, gerade in unseren Tage des Krieges, der terroristischen Anschläge, der Unsicherheit und Hoffnungslosigkeit…

„An ihren Früchten (= Taten und Worten) sollt ihr sie erkennen!“ (Matthäus 7, 16) und dann werdet ihr wissen: „Wes Geistes Kinder sie sind!“ - Hoffentlich Gottes-Kinder, im wahrsten Sinne des Wortes!

Ein wunderschönes Pfingstfest wünscht Ihnen

Ihre Marion Ziegler, Pfarrerin in der Klinikseelsorge der Neurologischen Klinik, Bad Neustadt, und im Schuldienst