Aufgeschlossen - Was der Mensch sät, das wird er ernten!

Demnächst feiern wir „Erntedank“. Die Bauern, die Weingärtner und andere dürfen die Werke ihrer Aussaat und ihrer langen Pflege, die Früchte ihrer Arbeit, ernten - und sind dankbar dafür. Diesen Zusammenhang wird wohl niemand bezweifeln. Was aber ist mit denen, die gesät und gepflegt haben, deren Ernte das Wetter zerstört hat. Was ist mit den vielen hungernden Menschen in Afrika, Amerika und woanders auf der Welt? Hier stimmt der Zusammenhang von Ursache und Wirkung, von Tun und Ergehen nicht überein. Und es folgt die Frage: Wie kann Gott das zulassen!?

Der Volksmund zitiert frei: „Alles kommt zu einem zurück, das Gute wie das Schlechte.“

Und schon die Menschen des Alten Testamentes nutzten diese Aussage zu pädagogischen Zwecken, nämlich um gewünschtes Handeln zu fördern und Fehlverhalten zu unterbinden. Was aber, wenn das nicht so funktioniert? Wenn auf eine gute Saat, auf gutes Handeln eine schlechte Ernte und kein Wohlergehen folgt? Wenn zum Beispiel auch ein Hiob, ein als gottesfürchtiger Mensch bekannter Mann seiner Zeit, lernen muss, dass eine Katastrophe der anderen folgt, obwohl er alle Gebote gehalten hat? Er verliert alle Kinder und seine Frau und dazu seinen ganzen Besitz. Den Freunden fällt nur ein: „Was hast du Schlimmes getan, dass Gott dich so straft?“ Und auch Hiob führt den Grund für sein Unglück auf Gott zurück. Er streitet mit ihm aufs Heftigste: „Das ist nicht gerecht! Ich habe alles getan, was du, Gott, von einem Gläubigen verlangst!“

Aber kann Hiob, können wir wirklich sagen, wir haben alles Gott Gefällige getan? Und dann unsere Belohnung einfordern in völliger Selbstzufriedenheit und Selbstgefälligkeit?

Was ist mit der anderen Seite des Volksmundes! Was ist mit dem, was mir nicht so gelungen ist, was ich falsch oder sogar richtig boshaft gemacht habe? Will ich da auch den Lohn meines Tuns? Soll mich Gott für jeden Fehler zur Rechenschaft ziehen? - Doch eher nicht!

Da hat Gott auch die Hand vor und lässt es zu, dass mir vergeben wird und ich eine zweite Chance bekomme.

Gutes Ernten braucht das menschliche Zutun, zweifelsohne, aber liegt letztendlich nicht in unserer Hand. „Seht die Vögel unter dem Himmel, sie säen nicht, sie ernten nicht … und unser himmlischer Vater ernährt sie doch.“ (Matthäus 6, 26) D.h.: Leben, mit allem, was dazu gehört an Gutem und an Schlechtem, ist und bleibt eine göttliche Gabe, ein Geschenk, das wir nicht immer in Gänze durchschauen, manchmal nicht gewollt, aber oftmals erwünscht haben. Von daher bleibt uns, zu bitten, dass Ausgesätes erntereif wird, und zu danken, wo es bereits gelungen ist.

Alles Gute und Gottes Segen wünscht Ihnen

Marion Ziegler, Pfarrerin in der Klinikseelsorge der Neurologischen Klinik, Bad Neustadt, und im Schuldienst