Aufgeschlossen - Energiefasten

„Neuer Wein gehört nicht in alte Schläuche.” Ein Sprichwort, das wir alle kennen und das aus der Bibel stammt. Jesus verteidigt mit ihm seine Jünger gegen den Vorwurf, sie würden nicht fasten und sagt: zum Fasten hätten die Jünger noch alle Zeit der Welt, aber nicht jetzt während dieser besonderen Zeit mit ihm, Jesus. Denn: Niemand füllt neuen Wein in alte Schläuche; sonst zerreißt der Wein die Schläuche und der Wein ist verloren und die Schläuche auch; sondern man soll neuen Wein in neue Schläuche füllen. (Markus 2,22) Die Pointe dieses Jesus-Wortes ist: das Neue darf nicht als Flickwerk für Altes verwendet werden. Mit etwas Neuem, mit einer Besonderheit wartet der Frühlingsanfang in diesem Jahr auf: eine Sonnenfinsternis am heutigen Freitag. Weil es mittlerweile ziemlich viele Solarzellen auf unseren Dächern und Feldern gibt, wird diese Sonnenfinsternis mit großer Spannung (!) erwartet. Was wird geschehen, wenn mitten am Tag sich die Sonne verdunkelt, und vor allem, wenn sie plötzlich wieder zu scheinen beginnt? Experten sprechen von einem Stresstest für unsere Stromnetze. Aber es gibt auch einen Stresstest für uns alle. Seit über hundert Jahren haben wir uns daran gewöhnt, unseren Energiebedarf durch groß angelegtes Verbrennen von Kohle, Öl oder Gas tief aus der Erde zu decken. Seit etwa zehn Jahren wissen wir definitiv, dass dies zur Erwärmung unseres Klimas führt mit unabsehbaren Folgen. Wird es uns gelingen, in Sachen Energie ein wirklich neues Kapitel aufzuschlagen und das alte hinter uns zu lassen? Also keinen neuen Wein in alte Schläuche zu füllen? Ein Weg dahin könnte auch ein Energiefasten sein: so wenig und so sparsam wie möglich Auto fahren, so wenig wie möglich fliegen. Anders als bei den Jüngern zur Zeit Jesu wäre das ein Fasten, das jetzt an der Zeit ist, das unserer ganzen Welt gut tut und das auch nach der Fastenzeit noch Sinn macht.

Dr. Matthias Büttner, Dekan in Bad Neustadt