Aufgeschlossen - Wahlempfehlung: Liebe

Als sich Thomas Sternberg, der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, im September offen zur Politik der AfD geäußert und alle freiheitlich-demokratischen Kräfte zum Widerstand aufgerufen hat, stieß ich dazu bei Facebook auf einen kritischen Kommentar. Da wurde gefordert, die Kirche solle keine Wahlempfehlungen geben, weder nach „rechts“ noch nach „links“.  Schließlich sei – nach Martin Luther – ein „Christenmensch ein freier Herr und niemand untertan“ und brauche deswegen keine Bevormundung in seiner Gewissensentscheidung am Wahltag. Der Satz ist in der Tat ein Zitat von Martin Luther aus seiner Schrift „Von der Freiheit eines Christenmenschen“. Das Luther-Zitat geht allerdings noch weiter: „Ein Christenmensch ist ein dienstbarer Knecht und jedermann untertan.“ Was auf den ersten Blick widersprüchlich klingt, ist es auf den zweiten Blick nicht. Frei ist ein Mensch im Blick auf sein Heil, sagt Luther, und meint damit, dass kein Mensch vor Gott irgendeine Pflicht zu erfüllen braucht, um von ihm geliebt zu sein. Wer so viel Liebe von Gott empfängt, der kann aber nicht anders, als diese Liebe weiterzugeben, und deswegen ist ein Christenmensch im Blick auf seine Mitmenschen eben nicht frei, zu tun und zu lassen, was er will. Die Liebe ist der Maßstab. „Alle eure Dinge lasst in der Liebe geschehen.“ (1. Kor 16,14). Die Kirche tut also gut daran, alle Christen in ihrer Gewissensentscheidung an diese biblische Christenpflicht zur unbedingten Liebe gegenüber jedermann immer wieder zu erinnern. Und daraus folgt am Wahltag: Christen wählen keine Rassisten!

Lutz Mertten, evang. Pfarrer Bad Königshofen