Aufgeschlossen - Sepideh

HERR, wie herrlich ist dein Name in allen Landen, der du zeigst deine Hoheit am Himmel! Wenn ich sehe die Himmel, deiner Finger Werk, den Mond und die Sterne, die du bereitet hast: was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst? Du hast ihn wenig niedriger gemacht als Gott, mit Ehre und Herrlichkeit hast du ihn gekrönt. (aus Ps 8)

Sepideh lebt in der iranischen Provinz. Sie träumt davon, Astronautin zu werden. Als der Vater stirbt, ist sie noch ein kleines Mädchen. Der nächtliche Blick zum Himmel wird ihr in den folgenden Jahren zum Trost und zum Ausdruck ihrer Sehn-sucht. Mit ihrem Astronomie-Club und einem welt-offenen Lehrer, der die Mädchen dazu ermutigt, selbstständig und selbstbewusst zu sein, zieht die mittlerweile 16jährige nachts auf die Hügel vor der Stadt, um die Sterne zu beobachten. Ihren Onkel und ihre ums finanzielle Auskommen ringende Mutter treibt Sepideh mit ihrer selbstbewussten Art in die Verzweiflung, Von anderen Jugendlichen dagegen erhält sie für ihren Mut, sich gegen alle Widerstände für ihre Sehnsucht und ihren Traum einzusetzen, viel Anerkennung.
Als ihr Onkel droht, sie umzubringen, wenn sie ge-gen die Traditionen verstößt, sagt sie: “Nach mir werden zehn andre Frauen kommen, und tun, was ich tue. Ich bin nicht allein.“

Es ist eine anrührende Dokumentation, die vor einigen Tagen auf ARTE zu sehen war. Die dänische Filmemacherin Berit Madsen hat Sepideh vier Jahre lang begleitet: Entstanden ist so eine wahre Geschichte über Hoffnung, die Macht der Träume und darüber, wie wir unser Schicksal selbst in die Hand nehmen können.

In den vielen klaren Nächten der vergangenen Wochen habe ich beim Blick nach oben immer wieder gedacht: Was für ein Geschenk und welch eine Freiheit, einfach hinaustreten zu können unter dieses himmlische Zelt! Selbst so ein Blick ist für manchen alles andre als selbstverständlich.“

Und ich frage mich: Was könnte es für mich bedeuten, so wie diese Mädchen für meine Träume und meine Sehnsucht zu leben; und zu kämpfen für das, was ich für notwendig und gerecht halte?

Pfarrer Harald Richer, Klinikseelsorge Bad Neustadt

P:S: Warum läuft Qualität im Fernsehen oft erst um Mitternacht? Ich finde, Sepideh, die inzwischen Astronomie studiert, hätte eine bessere Sendezeit verdient und mindestens genauso viel Werbung wie der erste „Frankendadord“!