Aufgeschlossen - Schreinerlehre

„Es ist nicht akzeptabel, dass durch eine aggressive Anti-Abschiebe-Industrie bewusst die Bemühungen des Rechtsstaats sabotiert und eine weitere Gefährdung der Öffentlichkeit provoziert wird.“ Sagt Alexander Dobrindt. Wenn also Menschen aus „sicheren“ Herkunftsländern nicht zurück in ihre Heimat geschickt werden, dann ist das gefährlich – für uns.

Ich denke da an unseren ehemaligen Konfirmanden Mohammed. Ja, der heißt wirklich so, und ist trotzdem evangelischer Christ und macht sogar bei den Katholiken als Sternsinger mit. Der einzige, der sich nicht erst schminken muss, um echt zu sein. Mohammed wird nun bald 18. Und da er aus Afghanistan kommt, droht ihm dann die Abschiebung. Stellen Sie sich mal vor, die Anti-Abschiebe-Industrie würde das verhindern. Die Anti-Abschiebe-Industrie, das wären zum Beispiel Menschen aus seiner Kirchengemeinde, die nicht verstehen können, was ein junger Mann, der als Kleinkind nach Deutschland gekommen ist und hier seine Schullaufbahn sehr ordentlich absolviert hat, denn in einem Land soll, das er überhaupt nicht kennt. Was würde dann passieren? Mohammed würde womöglich bei uns eine Schreinerlehre machen. Und dann hätte er freien Zugang zu Sägen. Oder Hobeln. Oder Feilen. Das wäre doch wirklich gefährlich – oder?

Mir ist bewusst, dass es für unser Asylrecht klare Regeln gibt und dass nicht jeder Flüchtling diese Regeln erfüllt. Das bedeutet dann unter Umständen auch Abschiebung. Aber ich weiß eben auch, wie oft nackte Paragraphen echte Menschen treffen, für die es sicher deutlich sinnvollere Lösungen gäbe. Solche nämlich, die ihrem Lebenslauf gerecht werden und von denen ganz nebenbei auch die deutsche Öffentlichkeit profitieren würde, der sonst die Handwerker oder die Altenpfleger oder die Landärzte ausgehen.

Richtig empörend finde ich allerdings die perfide Kombination des Herrn Dobrindt, aus allen abgelehnten Asylbewerbern gleich potentielle Terroristen zu machen. „Wer Wind sät, wird Sturm ernten“, heißt es beim Propheten Hosea. Wer so schamlos am rechten Rand fischt, der ist die eigentliche Gefahr für unsere Öffentlichkeit.

Tina Mertten, evang. Pfarrerin Bad Königshofen und Sulzdorf a. d. L.