Aufgeschlossen - Kalenderwechsel

In diesen Tagen wechsle ich meist vom alten auf den neuen Kalender. Gelegenheit, sich noch mal zu erinnern, was das vergangene  Jahr „gebracht“ hat. Erwartet oder nicht.
Manches scheint schon weit weg, anderes, als sei`s erst gestern gewesen.Die Verse aus dem Buch des Predigers fallen mir ein: Alles hat seine Zeit...
Geboren werden und sterben, pflanzen und ausreißen, abbrechen und bauen, weinen und lachen, klagen und tanzen, suchen und verlieren, schweigen und reden, streiten und versöhnen.
Vieles davon entdecke ich in den Ereignissen des vergangenen Jahres.

Dann nehme ich den neuen Kalender in die Hand. Blicke auf 2015. Plane das neue Jahr.
Kalender - Versuch, die Zeit, mein Leben in den Griff zu bekommen.
Aber dann fallen mir Menschen ein....
Die Mutter die um ihre 7jährige trauert. Die 89 jährige Herzpatientin, die mit großer Ruhe erzählt, sie sei bereit zu gehen. Die junge Frau, die nicht sicher ist, ob sie ihren Beruf wird wieder aufnehmen können. Die 3-jährige, die fragt: Papa, wie viel Mal noch schlafen, bis du sterben musst? Tausend mal? Und er sagt: „Viel öfter“  und denkt bei sich: „So Gott will.“

„Meine Zeit steht in deinen Händen“, sagt der Beter im Psalm 31. Nicht immer geht mir das leicht über die Lippen, aber manchmal entlastet es mich. Hilft mir, loszulassen, was ohnehin nicht in meiner Verfügung steht.
Und ich denke: Es ist wohl Aufgabe genug, die Zeit, die mir gegeben ist, bewusst zu leben.
Der Kalender ist dabei gar kein so schlechter Lehrmeister. Im Rückblick zeigt er mir: Nicht alles ist planbar. Vieles geschieht, ohne dass ich es geplant habe - Gutes wie Böses -.
Und im Blick nach vorn lehrt er mich, immer wieder zu fragen: Was soll wirklich Raum und Gewicht haben in meinem Leben? Wohin soll meine Energie fließen und wem meine Liebe gelten? Dabei mag ich dann das neue Jahr planen, wenn auch immer unter dem Vorsatz: „So Gott will“.    
Gott befohlen im neuen Jahr !

Harald Richter, Pfarrer evangelische Klinikseelsorge