Aufgeschlossen - „Helau, Alaaf … und ICH bin ICH!“

Wie haben Sie die letzten Wochen und Tage verbracht? Gehören Sie zu den aktiven Faschingsfreaks oder eher doch zu den Faschingsmuffeln? Haben Sie sich verkleidet und ausprobiert, wie es ist, in eine andere Haut zu schlüpfen, oder haben Sie den Kopf geschüttelt über das ausgelassene Treiben?

Manche Menschen brauchen wirklich eine andere Hülle als die eigene, um bestimmte Dinge sagen oder bestimmte Leidenschaften ausleben zu können.

Eine meiner Lieblingsbands, die Wise Guys, besingen in einem ihrer Lieder  - „Es ist nicht immer leicht ich zu sein“ - dieses Dilemma zwischen dem, was mir von Geburt an gegeben ist und dem, was ich doch manchmal gerne wäre oder hätte: Ich wäre gern größer, reicher, sportlicher, hätte gern mehr Geld, blaue Augen, blonde Haare, etwas mehr Gelassenheit,
mehr Zeit, … Ja, und die Lösung wäre doch, ich wäre nicht ich, sondern jemand anderes.

Für eine kurze Zeit, nämlich im Fasching, scheint dies möglich. Mutig verkleiden sich Menschen in hässliche Gestalten oder Prinzessinnen, in Superhelden oder Außerirdische. Für kurze Zeit werden fremde Menschen zu Freunden, liegen sich im Arm und feiern gemeinsam - bei allen vorherigen Unterschieden und Unstimmigkeiten.

Was ist aber mit der Zeit „danach“? Was mache ich mit mir selbst, zurück in meiner eigenen Hülle, in meiner eigenen Haut? Ja, es ist wirklich nicht immer leicht, in der eigenen Haut zu stecken, in der eigenen Lebensgeschichte! Oftmals hilft es zu wissen, dass es Menschen gibt, die einen lieben und mögen, auch wenn man sich selbst nicht leiden mag, die einen begleiten und bestärken bei allem, was das Leben uns als Aufgabe stellt, und denen man immer alles sagen kann und die immer ehrlich und aufrichtig zu uns sind. Dann brauchen wir keine andere Haut, keine andere Hülle, keine Maske und Verkleidung und keine feste Zeit dazu.

Gott will so ein Freund, so ein Begleiter für uns sein. Immer wieder verspricht er: „Ich bin da; ich bin der, der dich begleitet, wohin du auch gehst; Fürchte dich nicht, ... ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein; ich stärke dich und helfe dir; ich bin dein Schutz; ich habe dich lieb…“ - und zwar genau so, wie du bist!

Dies zu erfahren, von Gott und Ihren Mitmenschen, das wünsche ich Ihnen!

Ihre Marion Ziegler, Pfarrerin in der Klinikseelsorge der Neurologischen Klinik, Bad Neustadt, und im Schuldienst