Aufgeschlossen - Brot statt Böller

Und wieder werden die meisten heute Nacht das neue Jahr mit Feuerwerk und Anstoßen begrüßen. Obwohl „Brot für die Welt” seit Jahrzehnten mit überzeugenden Argumenten für „Brot statt Böller” wirbt. Aber der Übergang vom 31. Dezember auf den 1. Januar ist eben kein Tagesübergang wie jeder andere. Wir überschreiten die Schwelle zu einem neuen Jahr. „Prosit Neujahr!” und damit machen wir uns auch ein wenig selbst Mut. Als Christenmenschen müssen wir uns zum Glück aber nicht nur selbst Mut machen. Paulus schreibt im 8. Kapitel seines Römerbriefes: Ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte [...] uns scheiden kann von der Liebe Gottes. Da stehen sie also hart nebeneinander: auf der einen Seite die Mächte und Gewalten, denen wir uns ausgesetzt fühlen. Und auf der anderen Seite: die Gewissheit des Glaubens, dass uns nichts von dieser Liebe Gottes scheiden kann. Interessanterweise zählt Paulus bei den Mächten und Gewalten, die uns nicht von Gott trennen können, ausdrücklich auch die guten Mächte und Gewalten auf. Das heißt doch, dass alles im Leben eine gefährdende Macht bekommen kann. Wenn es dem Esel zu wohl ist, geht er auf’s Eis, sagt der Volksmund. Und umgekehrt: auch Schlechtes kann Gutes nach sich ziehen. Auch hier kennt sich der Volksmund aus: Es gibt nichts Schlechtes, das nicht auch einen Nutzen hätte. Ob wir also in allem nicht diesem Gott vertrauen wollen, von dem Paulus weiß, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte uns von seiner Liebe trennen können? Wenn es schon kein Rezept gegen die Ungewissheit im Leben gibt, dann aber doch eines inmitten der Ungewissheit: „Ich sagte zu dem Engel, der an der Pforte des neuen Jahres stand: Gib mir ein Licht, damit ich sicheren Fußes der Ungewissheit entgegengehen kann! Aber er antwortete: Gehe nur hin in die Dunkelheit und lege deine Hand in die Hand Gottes. Das ist besser als ein Licht und sicherer als ein bekannter Weg.” Ein, wie ich meine, schöner Spruch aus China, an den Sie heute Nacht vielleicht denken mögen.

Dekan Dr. Matthias Büttner, Bad Neustadt