Aufgeschlossen - Bin ich`s?

Gründonnerstag: Jesus feiert mit seinen Jüngern, seinen Freunden, ein fröhliches Fest. Das Fest erinnert alle Juden an ihre Rettung aus Ägypten. Und es gibt reichlich zu essen und zu trinken.

Doch dann kommt der Hammer. Jesus sagt: "Einer von euch wird mich verraten." Nach einer kurzen Schockstarre fragen seine Jünger, einer nach dem anderen, leise und traurig: "Herr, bin ich's?"

Was für eine Frage. So viel haben die Jünger mit Jesus erlebt. Jetzt ist er in höchster Bedrängnis, und was fragen die Jünger? "Herr, bin ich's?" Kein überzeugter Widerspruch. Nur ein Kreisen um das eigene Ich.

Szenenwechsel. Eine Familie. Lange lebte der Sohn mit seinen Eltern zusammen. Doch dann kommt es zum Streit, und der Sohn zieht aus. Abstand gewinnen. Nach einer Weile würden sie sich gerne wiedersehen. Doch der Streit wurde noch nicht geklärt. "Ich werde nicht mit denen sprechen, bevor die sich nicht entschuldigen. Ich bin's nicht." - "Er ist doch abgehauen. Wir waren's doch nicht!"

Ein Paar. Er sieht sie mit einem anderen auf der Straße. Er stellt sie zur Rede. Sie versucht zu beschwichtigen. Er meint, sie will sich rausreden und geht. "Wenn sie nur ihren Fehler zugeben würde, würde ich zurückkommen. Ich bin's nicht!" - "Wenn er nur verstehen würde, dass das nur mein Kumpel ist, würde ich ihn anrufen. Ich bin nicht schuld!"

Zwei Beispiele von heute. Was wäre wohl passiert, hätte einer von ihnen sich gefragt: "Bin ich's?" Vielleicht hätten sie gemerkt, was sie getan haben. Vielleicht wäre es zu einer Versöhnung gekommen.

Doch die Jünger fragen nicht nur sich: „Bin ich’s?“ Sie fragen: "Herr, bin ich's?" Sie haben erkannt, was nicht selbstverständlich ist: Wir sind ins Unrecht verstrickt, ohne dass wir es merken. Deswegen fragen sie den, der das Herz eines jeden Menschen kennt: Jesus Christus. Und Jesus, der weiß, dass jeder seiner Jünger ihn am Schluss allein lassen wird, verspricht den Jüngern, dennoch immer bei ihnen zu sein. Jedes Mal, wenn sie gemeinsam Brot und Wein essen.

Vielleicht sollten wir uns also ein Beispiel nehmen an diesen Jüngern: "Bin ich's?" statt "Ich bin's nicht." Das wäre doch ein Anfang.

Ihr

Jakob Vocke, Gemeindepraktikant in Bad Königshofen