Aufgeschlossen - Lebenswahrheiten

Was war das für ein Sommer! Um jedes Kleidungsstück war man froh, dass man nicht anziehen musste. Jetzt im Herbst ist das anders. Und so manches Stück Kleidung brauchen wir vielleicht auch neu. Hoffentlich geht es uns hierbei nicht wie dem legendären Märchenkaiser, der vor lauter Gier nach dem neuesten Modeschrei am Ende nackt dastand und das nicht einmal bemerkte, bis das legendäre Kinderwort die Erlösung brachte.

Ja, was ist wichtig? Jemand hat in diesem Zusammenhang einmal Lebenswahrheiten von Plastikwahrheiten unterschieden. Beides sind wohlgemerkt Wahrheiten, aber mit unterschiedlicher Bedeutungsschwere. Zum Beispiel die Sache mit der Kleidung. Eine Plastikwahrheit, die von unserem Kaiser zur Lebenswahrheit aufgeblasen wurde. Plastikwahrheiten sind nichts an sich schlechtes. Aber sie rangieren hinter den Lebenswahrheiten; sie dürfen nicht zu Lebenswahrheiten gemacht werden. Ob das die große Not unserer Zeit ist: dass viel zu häufig die Plastikwahrheiten vor den Lebenswahrheiten rangieren?

Ein Bibelwort aus dem Epheserbrief will uns zu Hilfe kommen: So seht nun sorgfältig darauf, wie ihr euer Leben führt, nicht als Unweise, sondern als Weise, und kauft die Zeit aus; denn es ist böse Zeit. Das meint: Sich einen kritischen Blick bewahren, aber keinen pessimistischen; nicht alles für bare Münze nehmen, was man uns weis machen will (hätte der Kaiser sich nur daran gehalten!); aber auch nicht alles in Zweifel ziehen. Es ist die rechte Mischung, die den weisen Menschen ausmacht. Lebenswahrheiten: In meinem Leben gibt es eine Führung Gottes. Oder: Versöhnung als das große Zauberwort bei aller notwendigen Konfliktfähigkeit. Und: das geknickte Rohr darf nicht noch zerbrochen werden; Gott hat ein Faible für das Schwache.

Viel Freude beim Entdecken weiterer Lebenswahrheiten wünscht

Dr. Matthias Büttner, Dekan