Aufgeschlossen - Angenommen

Angenommen, es gäbe keine Unterschiede nach Religion oder Herkunftsland, kein Unterscheiden in Stand oder Beruf und auch nicht nach dem Geschlecht - wäre dann die Gesetzgebung oder eine Urteilsfindung nicht einfacher?Angenommen, so etwas ginge durch beim EU-Parlament, dann hätte es wohl noch lange nicht Bedeutung auf dem restlichen Planeten Erde oder würde bei jedem Zuspruch finden. Warum wohl nicht? Muss es Unterschiede geben - möglichst noch aus traditionsbewusstem oder egoistisch-einflussreichem Hintergrund heraus -? Muss es sie wirklich geben? Macht das irgendwie sicherer im Umgang miteinander, wenn man sich unterscheiden kann von anderen? So etwas sichert die eigene Stellung und Bedeutung und Berechtigung seines Verhaltens ab.
Was veranlasst die Unterscheidung in Untergebene und Übergeordnete? Ist es ein Hang oder Zwang zum Gleichgewicht der Kräfte? Hilft ein Aufteilen der Menschheit in Tätigsein und Vorausdenken? Liegt es - genetisch bedingt - etwa an einer Begabung?
Jeder, der sich andere unterordnet, stellt sich über Menschen, macht sich wichtiger, einflussreicher - aber auch verantwortungsvoller. Und damit versklavt er sich womöglich schneller als gedacht. Zeit, Geld und Einfluss werden dem Ziel untergeordnet, die Überordnung, die Hierarchie, den Unterschied beizubehalten. Der Chef als Untergeordneter seiner Ideen, seiner Ziele, seiner Stellung!
Der Monatsspruch des Mai weist einen Denk-Weg auf, der nicht in Unterscheiden besteht, sondern der ein allgemeines Angenommen-Sein vertritt. Vorsicht! Es geht nicht um Gleichmacherei, um Übertünchen von Unterschieden oder gar ein Nivellieren der sozialen Stellungen. Es geht dem Verfasser, es war Paulus, um eine Verbindung, die nicht erneut versklavt, sondern die befreit: „Durch eure Verbindung mit Christus seid ihr alle zusammen ein neuer Mensch geworden.“ Kein Gesetz hat mehr das letzte Wort, das wiederum abhängig machen würde. Es ist ein Annehmen an Kindes Statt, das diesen Gedanken zu Grunde liegt. Kind Gottes und Erbe sein dürfen.
Angenommen, der Chef wäre schon längst angenommen von diesem anderen…

Ich grüße Sie
Pfarrer Udo Molinari